Mein Monat in Berlin
Eneas Infanger, April, 2026
Für meinen Aufenthalt in Berlin habe ich die Zentralschweiz für eine Weile verlassen, um in die dortige Startup Szene einzutauchen. Ich bekam die Möglichkeit, bei einem Startup direkt mitzuarbeiten und meine Programmierkenntnisse in einem echten Projekt anzuwenden. Mein Weg führte mich dabei nach Berlin Tempelhof zu der Firma Berlin Analytix…
Das Unternehmen ist auf die histologische Auswertung von Knochenimplantaten spezialisiert und arbeitet mit anderen Firmen zusammen, die sich ebenfalls mit regenerativer Medizin befassen. Das heisst sie prüfen für Hersteller, ob neue Knochen-Implantate wirklich sicher sind, bevor sie an echten Patienten benutzt werden dürfen. Sie untersuchen dafür im Labor, wie gut der Knochen an den neuen Teilen anwächst, und vergleichen das ganz genau mit den Implantaten, die es schon auf dem Markt gibt. So finden sie heraus, ob das neue Implantat wirklich hält, was es verspricht, oder sogar besser ist als der aktuelle Standard. In diesem spezialisierten Umfeld bestand meine
Aufgabe daraus, ein Inventarsystem zu entwickeln, um den gesamten Laborprozess und den Bestand an Chemikalien zu überwachen.
Die technische Basis für mein Projekt bildete Python mit dem Flask Framework. Da sie bereits ein anderes Projekt auf dieser Basis betrieben, haben wir uns für denselben Aufbau entschieden. Immer wieder hatte ich mit Schwierigkeiten, vor allem mit den Datenbank-Migrationsskripten und dem aufsetzen einer neuen Datenbank mit Flask. Auch musste ich Fehler korrigieren, die dadurch entstanden waren, weil Migrationen auf einem falschen Stand basierten. Auch bei den HTML-Templates mit Flask (Jinja2-Engine) gab es ab und zu Probleme. Manchmal funktionierte ein Template an einer Stelle des Programms einwandfrei, während es an einer anderen Stelle Fehlermeldungen ausgab, weil Variablen fehlten oder falsch übergeben wurden.
Bei der Arbeit haben mir Claude und vor allem Claude Code sehr geholfen. Da Berlin Analytix ein Team Abo besitzt, konnte ich die neusten Modelle mit wenig Einschränkungen nutzen. Ich bekam auch ein paar Tipps wie ich die KI effektiver einsetzen kann, um komplexe Fehler zu analysieren und neue Features umzusetzen. Ich habe Claude auch für die UI/UX-Kontrolle verwendet und mithilfe der Browser-Extension Berichte über die Benutzerfreundlichkeit erstellen lassen. Zudem half mir Claude dabei, die Security-Anforderungen und die spezifischen Anforderungen des Labors zu
überprüfen. Die Firma ist insgesamt sehr offen, was KI angeht. Ein Mitarbeiter war sogar oft damit beschäftigt, jedem im Team individuell zu zeigen, wie man KI zur Optimierung der eigenen Arbeit nutzt, sei es beim Erstellen von Verträgen oder beim Dokumentieren.
Ein grosser Teil meiner Arbeit bestand darin, die Anforderungen der Labormitarbeitenden zu verstehen. Anfangs waren die Abläufe im Labor recht komplex, aber mit der Zeit konnte ich sie immer besser verstehen. Ich musste genau nachvollziehen, wie eine Probe im Labor ankommt, wie sie geteilt, gereinigt, in Schnitte geschnitten und schlussendlich eingefärbt wird. Jede verwendete Chemikalie muss über eine Chargennummer bis zu 15 Jahre rückverfolgbar sein. Wenn eine Charge im Nachhinein als ungültig deklariert wird, müssen alle damit behandelten Proben sofort
identifizierbar sein. Um das umzusetzen, habe ich ein System entwickelt, in welchem man alle Chemikalien so wie sie es zuvor in Excel-Tabellen hatten, eintragen kann. Dazu kann man aber das Eintragen und die Suche auch mit einem Barcode-Scanner durchführen und es ist recht viel übersichtlicher als ein paar Excel-Tabellen. Mein Verantwortlicher bei der Firma hat mich dabei unterstützt und mir regelmässig fachliches, aber auch technisches Feedback gegeben. Am Ende habe ich die Anwendung auf einem kleinen Server im Büro bereitgestellt und den Code an das Team übergeben, damit das Projekt in Zukunft weitergeführt und auf weitere Studien ausgeweitet werden kann.
Wir haben in einem Appartement im Stadtteil Wedding gewohnt. Morgens stiegen wir in die U6 und unterwegs wechselten die anderen in eine andere Linie, während ich bis zur Haltestelle Ullsteinstrasse weiterfuhr. Die Fahrten waren meistens, vor allem Morgens, recht ruhig, auch wenn man sich in Berlin an die vielen «Musiker» und Bettler in der U-Bahn gewöhnen muss. Das Team im Startup war mit nur fünf Personen sehr klein und die Mittagspausen waren oft sehr individuell. Da einige Kollegen direkt am Arbeitsplatz assen oder ihr eigenes Essen dabei hatten, ging ich oft alleine essen. In der Nähe der Firma gab es dafür gute Möglichkeiten, sich einen Döner oder einen Köftespiess zu holen. Gelegentlich konnte ich auch vom Essensautomaten der Firma nebendran etwas holen.
In meiner Freizeit haben wir oft die Gegend um den Alexanderplatz, Berlin Mitte oder immer wieder anderen Orten erkundet. Preise für Verpflegung oder Aktivitäten sind in Berlin schon niedriger als in der Schweiz, sodass wir hin und wieder spontan einen Kaffee oder sonst etwas zu trinken geniessen konnten. Ein kleiner Nachteil war dafür die Einrichtung unserer Wohnung. Wir hatten keine Waschmaschine und keinen Geschirrspüler. Das bedeutete, dass wir alle ein / zwei Wochen zum Waschsalon laufen mussten.
Rückblickend würde ich bei der Vorbereitung ein paar Sachen anders machen. Ich habe unterschätzt, wie wichtig kleine Alltagsgegenstände wie eine Nagelschere, Wundsalbe oder eine eigene Trinkflasche sind. Man kann diese Dinge zwar in Berlin kaufen, aber es wäre praktischer, sie direkt dabei zu haben. Auch die Mitnahme eines eigenen Laptops war trotz des begrenzten Platzes im Gepäck sinnvoll, um nach der Arbeit manchmal Spiele zu spielen, Filme mit den anderen zu schauen oder den Bericht zu schreiben. Ein Kartenspiel im Gepäck wäre ebenfalls eine gute Idee für die Abende mit den anderen gewesen. Insgesamt war das Praktikum eine sehr lehrreiche Zeit. Ich konnte meine Programmierkenntnisse in einem neuen Projekt anwenden und habe gleichzeitig gelernt, wie man sich in einer Grossstadt und in einem neuen Fachbereich wie der Medizintechnik zurechtfindet.