Von Langdock bis Görli
Adrian Pinto, April, 2026
Im April war ich für einen Monat in Berlin und durfte bei lemon.markets arbeiten. Am Anfang wusste ich ehrlich gesagt nicht genau, was mich erwartet. Ich wusste, dass lemon.markets ein Fintech ist und that’s it. Trotzdem habe ich ziemlich schnell gemerkt, dass man die Firma nicht
einfach in zwei Tagen versteht. Es gibt viele unbekannte Begriffe, viele Abläufe und vieles hängt miteinander zusammen.
Bei lemon.markets habe ich vor allem gelernt, wie man mit AI echte Prozesse verbessern kann. Ich habe nicht nur ausprobiert, welches Tool cool aussieht, sondern an Sachen gearbeitet, die wirklich benutzt werden können. Ein grösseres Thema war der Inbound-Workflow mit Langdock (ein AI-Startup). Dort kommen Nachrichten über ein Formular rein. Danach prüft AI die Nachricht nach bestimmten Kriterien und entscheidet, ob es ein Schedule, Route, Clarify oder Decline Ending gibt. Die Idee dahinter ist, dass AI schon fast alles vorbereitet und eine Person am Schluss nur noch
kontrollieren muss.
Ich konnte auch den Prompt für den Outbound Agent anpassen, der schon in Langdock vorhanden war. Zusätzlich habe ich das Formular auf der Website angepasst, damit beim Inbound mehr Informationen reinkommen. Das war für mich spannend, weil ich gesehen habe, wie wichtig gute
Eingaben sind. Wenn das Formular schlechte oder zu wenige Informationen liefert, kann auch der beste Workflow nicht sauber arbeiten.
Neben diesen AI-Workflows habe ich auch gelernt, freier auf Englisch zu sprechen. Am Anfang war ich manchmal unsicher, vor allem wenn ich etwas vor mehreren Leuten erklären musste. Mit der Zeit wurde es besser.
Auch im Designbereich konnte ich einiges ausprobieren. lemon.markets arbeitet für Designs vor allem mit Figma. Ich habe mit Claude Design, Figma Make und anderen AI-Tools herumprobiert, um Ideen für das UI der neuen Website zu entwickeln. Dabei konnte ich auch eine Hero Section für die Solutions Page der neuen Website gestalten. Ausserdem habe ich mit Jitter und Figma ein Animationsvideo für eine neue Partnerschaftsankündigung gemacht. Diese Partnerschaft ist noch geheim, darum kann ich dazu nicht zu viel schreiben ;). Es war aber cool, an etwas zu arbeiten, das später vielleicht wirklich nach aussen geht.
Was mich an der Arbeit am meisten überrascht hat, war die Lockerheit. In der Schweiz bin ich mir gewohnt, dass vieles genauer geregelt ist. Bei lemon.markets war es viel einfacher. Man konnte arbeiten gehen, wann es sinnvoll war. Wenn man einmal eine Stunde weniger gearbeitet hat, war das kein Problem. Dafür blieb man an einem anderen Tag vielleicht länger. Die Leute vertrauen sich dort sehr. Das fand ich eigentlich sehr angenehm.
Auch die Hierarchie war anders. Es war nicht so, dass man fünf Stufen gehen musste, bis man mit einer wichtigen Person sprechen konnte. Der Gründer konnte einfach in der Nähe sitzen und normal mitarbeiten. Das hat die Firma sehr direkt wirken lassen. Gleichzeitig musste man aber selber mitdenken. Man bekommt nicht immer alles Schritt für Schritt erklärt. Man muss fragen, ausprobieren und manchmal auch akzeptieren, dass man etwas noch nicht ganz versteht.
Die grösste Challenge war für mich genau dieses schnelle Einarbeiten. lemon.markets ist nicht einfach zu verstehen. Elisa und ich haben beide bei lemon.markets gearbeitet und wir haben irgendwann gemerkt, dass wir in diesem einen Monat nicht die ganze Firma komplett verstehen werden. Das war zuerst ein bisschen frustrierend. Danach haben wir beschlossen, dass wir uns auf unseren Bereich konzentrieren. Also auf die Workflows, die AI- Themen und die Aufgaben, die wir wirklich bearbeiten mussten. So ging es viel besser.
Berlin selbst war auch ganz anders als die Schweiz. Die Stadt ist lauter und manchmal etwas chaotisch. In der Schweiz wirkt vieles sauberer und ruhiger. In Berlin ist dafür mehr los. Menschen sind unterschiedlich angezogen, reden direkter und es fühlt sich so an, als ob jeder einfach sein
Ding macht. Das mochte ich sehr. Man muss sich aber auch daran gewöhnen, dass nicht alles so funktioniert wie zuhause.
Im Alltag war vor allem die U-Bahn wichtig. Man fährt ständig irgendwohin und fast jeder Weg dauert 20 bis 40 Minuten. Trotzdem kommt man gut herum. Beim Essen gab es auch viele gute Orte. Ich fand Munchies, Dr. Smoothie, Gazzo in Kreuzberg, Coccodrillo und Burgermeister sehr gut. Dr. Smoothie und Gazzo waren etwas teurer, aber wirklich gut. Vietnamesisches Essen war fast immer eine gute Entscheidung.
Auch das Zusammenleben war ein grosser Teil vom Monat. Wir haben zusammen gekocht, gegessen oder Sport geschaut. Natürlich ist es nicht immer perfekt, wenn mehrere Leute zusammen wohnen. Jeder hat andere Gewohnheiten und manchmal ist man nach der Arbeit einfach müde. Trotzdem war es schön, diesen Alltag miteinander zu teilen.
Für zukünftige Teilnehmende habe ich ein paar ehrliche Tipps. Nehmt Bargeld mit. In Berlin gibt es immer noch viele Orte, wo Kartenzahlung nicht geht. Packt nicht zu viel ein, vor allem keine riesige Menge an Beauty-Produkten. Man kann dort fast alles kaufen und oft günstiger als in der
Schweiz. Ich hatte am Schluss zu viel Gewicht im Gepäck und würde sicher
weniger packen. Wenn ihr gerne shoppen geht, lohnt sich der Ku’damm. Für Skincare fand ich KEAUTI gut. Für Schreibzeug würde ich zu Muji gehen, die Stifte dort sind wirklich super. Die Fahrradtour durch Berlin würde ich auch empfehlen, weil man so viel von der Stadt sieht.
Beim Görlitzer Park wäre ich eher vorsichtig, vor allem am Abend und nicht alleine. Am 1. Mai war die Gegend um Görlitzer Park und Kottbusser Tor aber sehr schön und ich würde sagen, das sollte man einmal gesehen haben. Allgemein würde ich sagen: Seid offen, geht raus, redet mit Leuten
und plant nicht alles zu genau. Berlin ist besser, wenn man sich ein bisschen treiben lässt.
Wenn ich den Monat nochmals machen könnte, würde ich weniger mitnehmen und mir weniger Stress machen, alles sofort verstehen zu müssen. Ich würde wieder versuchen, so viel wie möglich mitzunehmen, aber entspannter. Für mich war Berlin eine Zeit, in der ich fachlich viel über AI, Workflows und Startups gelernt habe. Gleichzeitig habe ich auch gemerkt, dass ich mich in einer neuen Stadt und in einer neuen Firma zurechtfinden kann und das nehme ich sicher mit.