4 Wochen Startup-Life: Social Media, Logo & Website
Julia Gasbichler, April 2025
Im Frühjahr hatte ich die Gelegenheit, für vier Wochen in Berlin zu leben und in einem spannenden Start-up mitzuwirken. Das Unternehmen verfolgt ein klares Ziel: Handwerkern die Büroarbeit abzunehmen, hier war der erste Schritt, dass Mails automatisiert werden sollen. Die Idee hat mich sofort angesprochen, da ich erkennen konnte, dass es sich hier um ein sehr präsentes Problem mit einer zeitgemässen Lösung handelt. Ich war also gespannt, wie sich mein Aufenthalt entwickeln würde.
Das Team war klein, aber sehr herzlich: Vier Mitarbeiter, davon zwei Freelancer, mit denen ich von Anfang an auf Augenhöhe zusammenarbeiten durfte. Die Atmosphäre im Büro war geprägt von Offenheit und Eigenverantwortung, es war ein Umfeld, das motiviert. Obwohl ich nur einen Monat dort war, fühlte ich mich schnell als Teil des Teams. Dass ich dabei die einzige Frau und dazu noch jünger als alle im Team war, habe ich dabei gar nicht bemerkt.
Social Media als Startpunkt
In den ersten zwei Wochen lag mein Fokus auf dem Bereich Social Media. Da das Start-up dort noch keine klare Linie hatte, war es umso spannender, selbst Strukturen aufzubauen. Ich begann damit, einen umfassenden Contentplan zu erstellen, mit Themenvorschlägen und Ideen zur Zielgruppenansprache. Der Plan sollte als Grundlage für alle Kanäle dienen: Instagram, TikTok, YouTube und ich war noch der Meinung, dass auch Facebook eine wichtige Plattform für die Zielgruppe der Handwerker war. Da mir freie Hand gelassen wurde, konnte ich dies auch aufsetzen.
Ein grosser Teil meiner Arbeit bestand darin, die bestehenden Kanäle zu analysieren und auf Vordermann zu bringen. Auf Instagram und YouTube fehlte es an Kontinuität, das Branding war uneinheitlich, und auf TikTok war der Account praktisch leer. Ich fing also bei null an: Auf TikTok begann ich zunächst damit, überhaupt einmal relevanten Personen und Themenprofilen zu folgen, um einen inhaltlichen Rahmen zu setzen. Parallel dazu likte und kommentierte ich täglich Beiträge, um die Sichtbarkeit zu steigern und erste Interaktionen zu fördern – ein einfacher, aber effektiver Schritt, um den Algorithmus in Schwung zu bringen. Diese Arbeit war völlig neu für mich und ich konnte viel lernen im Bezug darauf, die Verantwortung über die Kanäle zu haben.
Auf Canva habe ich erste Vorlagen erstellt, um für verschiedene Content-Arten vorbereitet zu sein. Auch sollten diese so sein, dass, auch wenn ich wieder weg bin, mit der gleichen Kontinuität weiter gepostet werden kann.
Auch auf Instagram habe ich aufgeräumt: Bio optimiert, Highlights angelegt, Content-Kategorien definiert. Für Facebook legte ich ein komplett neues Profil an, inklusive eines modernen Profil- und Titelbildes, das sich am neu entwickelten Corporate Design orientierte. Die Social-Media-Welt ist dynamisch, schnelllebig und fordernd, aber gerade deshalb war es eine tolle Herausforderung, hier mitzugestalten und Strukturen zu schaffen, die über meinen Aufenthalt hinaus Bestand haben können.
Kreative Planung trifft strategisches Denken
Was mir besonders gefallen hat, war die Mischung aus kreativer Freiheit und strategischem Arbeiten. Ich konnte selbst überlegen, welche Inhalte für das Zielpublikum, Handwerksbetriebe und deren Mitarbeitende, relevant sein könnten: Was das Start-up macht, wie die Applikation aussieht etc. Aber auch Content, welcher einfach nur Traffic generieren soll, war ein zentraler Bestandteil. Hier achtete ich darauf, dass ich auch geeignete Hashtags verwende, was den Traffic stark gesteigert hat. Diese Art von Content erstellte ich meistens mit Capcut und TikTok, da es einfach und effizient war. Jedoch erstellte ich Demos und komplexere Inhalte mittels Adobe Premiere Pro.
Gleichzeitig musste ich im Blick behalten, wie man diese Inhalte effizient und konsistent auf verschiedenen Plattformen ausspielt. Ich war jedoch frei damit, wann und was ich postete, solange es funktionierte.
Website-Aufbau
In der zweiten Hälfte meines Aufenthalts verlagerte sich mein Fokus deutlich: Nun ging es um den Website-Relaunch. Ein spannender Schritt, denn eine professionelle und gut strukturierte Website ist besonders für junge Unternehmen essenziell. Bereits zuvor hatte ich mich am Logo-Redesign beteiligt, vor allem in konzeptioneller Hinsicht. Die Hauptarbeit übernahm aber unser UX-Designer, der mit einem klaren Gespür für moderne Gestaltung und Benutzerführung ein ansprechendes Mockup entwickelte.
Meine Aufgabe bestand anschliessend darin, dieses Mockup technisch umzusetzen, mithilfe des Web-Design-Tools Framer. Für mich war dies komplettes Neuland. Zwar brachte ich ein grundsätzliches Verständnis für Webdesign mit, aber Framer war mir bis dahin völlig unbekannt. Ich brachte es mir mit Tutorials bei, jedoch bin ich kein grosser Freund von Videos, weswegen ich schnell in die Umsetzung überging. Am ersten Tag versuchte ich noch, das Design neu aufzubauen, und bekam so schon ein ziemlich gutes Verständnis über den Aufbau von Framer. Am zweiten Tag half mir ein Mitarbeiter dann, dass sauber in Figma angelegte Mock-up zu importieren. Das war zwar ein enorm grosser Schritt, jedoch war dies nur auf eine Grösse ausgelegt, so dass ich die folgenden Tage damit verbrachte, die einzelnen Elemente korrekt zu strukturieren und responsive zu machen. Dies stellte meine Geduld immer wieder auf die Probe, da es häufig nicht bei den ersten Versuchen funktionierte. Trotzdem bereitete diese Aufgabe mir viel Spass, da ich zur Abwechslung wieder sehr technisch arbeiten durfte. Es war eine wertvolle Erfahrung: Ich lernte, mich in ein neues Tool einzuarbeiten und Probleme eigenständig zu lösen.
Freizeit und WG-Leben
Natürlich konnte ich auch fachlich Neues mitnehmen, wie den Umgang mit neuen digitalen Tools oder die Arbeit an Social-Media-Strategien, aber viel prägender war für mich die Erfahrung, mich in einer neuen Stadt, in einem neuen Umfeld und in einer neuen Lebenssituation zurechtzufinden.
Überrascht hat mich, wie schnell ich mich in Berlin zurechtgefunden habe. Obwohl die Stadt so gross, lebendig und chaotisch ist, fand ich es leicht, mich zu orientieren und den Alltag zu meistern. Besonders das Leben in einer WG war eine spannende Erfahrung. Es hat sich als sehr bereichernd herausgestellt, gemeinsam mit anderen unter einem Dach zu wohnen, sich abends auszutauschen und verschiedene Aktivitäten zu unternehmen. Gleichzeitig war es aber auch herausfordernd, da wir alle unterschiedliche Gewohnheiten und Vorlieben hatten, sei es beim Sauberkeitsempfinden, bei Essenszeiten oder einfach in der Gestaltung des Tages. Ich habe dadurch gelernt, geduldiger zu sein, Kompromisse zu finden und meine eigene Herangehensweise zurückzustellen.
In meiner Freizeit konnte ich unglaublich viel entdecken und erleben. Besonders beeindruckend war der Besuch eines ehemaligen Konzentrationslagers, der sehr eindrücklich war. Aber auch die leichtere Seite der Stadt konnte ich kennengelernt: Wir haben eine Fahrradtour durch Berlin gemacht und dabei ganz verschiedene Sehenswürdigkeiten entdeckt, waren in einem Improvisationstheater, shoppen, in einer Spielhalle und sind sehr häufig essen gegangen. Die kulinarische Vielfalt der Stadt war für mich ein Traum. Diese Erlebnisse haben mir gezeigt, wie abwechslungsreich und offen Berlin ist, und wie viel man einfach spontan erleben kann, wenn man sich darauf einlässt.
Was mir besonders in Erinnerung bleiben wird, ist die Mischung aus Freiheit und Eigenverantwortung: Ich musste meinen Alltag selbst organisieren, neue Wege finden und mich immer wieder auf neue Situationen einzustellen. Das hat mir gezeigt, dass ich mich auch in unbekannten Kontexten schnell zurechtfinden kann. Im Vergleich zu meinem Leben in der Schweiz war vieles in Berlin spontaner, direkter und weniger strukturiert. Das war manchmal eine Umstellung, aber auch befreiend. Ich habe es genossen, Teil dieser offenen und vielfältigen Stadt zu sein, und nehme viele kleine und grosse Eindrücke mit, die mich sicher noch lange begleiten werden.
Was bleibt
Was nehme ich aus dieser Zeit mit? Vor allem das Gefühl, wirklich etwas beigetragen zu haben. Ich war nicht nur “Praktikant”, sondern konnte eigenverantwortlich Projekte übernehmen, Ideen einbringen und umsetzen. Das Start-up hat mir viel Vertrauen geschenkt, und genau das hat mich motiviert, das Beste aus meiner Zeit herauszuholen.
Darüber hinaus habe ich erlebt, wie wichtig es ist, flexibel zu sein. Die Aufgaben änderten sich, neue Tools kamen ins Spiel, und es gab immer wieder Situationen, in denen ich improvisieren oder kreative Lösungen finden musste. Genau diese Abwechslung macht die Arbeit in einem jungen Unternehmen so spannend. Zwar war es gegen Ende der ersten zwei Wochen etwas eintönig, aber auch, da ich nicht wusste, dass die folgenden komplett anders sein werden. Dieses Unwissen war aber auch in jener Hinsicht nicht sehr förderlich, da ich ansonsten mit dem Erstellen von Content anders umgegangen wäre. Hätte ich gewusst, dass ich danach so gut wie keine Zeit mehr dafür haben würde, hätte ich mich mehr darauf konzentriert, als mit der Recherche, was alles möglich wäre.
In der Stadt Berlin zu leben, war einfacher als gedacht. Wir fanden uns gut zurecht, konnten unsere Bucket-Lists abarbeiten und auch spontan immer Neues entdecken. Diese Stadt lebt vom Wandel, von ihrer Energie, ihrer Offenheit und Vielfalt. Die vier Wochen dort haben mir nicht nur beruflich neue Impulse gegeben, sondern mich auch persönlich bereichert. Das Leben in einer WG war auch entspannter, als ich angenommen habe, ich denke, das lag auch daran, dass wir untereinander auf ziemlich der gleichen Wellenlänge waren und so ein schönes Miteinander hatten. Ich bin dankbar für die Einblicke, die Erfahrungen und die vielen kleinen Aha-Momente.