Mein Auslandsaufenthalt in Berlin

Adrian Prodea, April 2025

Mein Aufenthalt in Berlin war eine intensive, spannende und sehr lehrreiche Zeit, die ich so schnell nicht vergessen werde. In diesen Wochen durfte ich nicht nur fachlich viel dazulernen, sondern auch kulturell und menschlich neue Perspektiven gewinnen. Die Arbeit in einem kleinen Berliner Start-up und das Leben in einer so dynamischen Stadt wie Berlin haben meinen Blick auf viele Dinge verändert , auf Technik, auf Teamarbeit, auf Lebensrhythmus.

Technisch gesehen war für mich vieles neu: Ich hatte zum ersten Mal die Möglichkeit, mit der Web-Entwicklungsplattform Remix zu arbeiten, eine Erweiterung von React, die auf TypeScript basiert und einige spannende Konzepte mitbringt. Besonders interessant war meine Arbeit mit AI Agents, also kleinen intelligenten Software-Bausteinen, die Aufgaben wie das Verarbeiten von Benutzereingaben übernehmen. Mein konkretes Projekt drehte sich um die Optimierung einer Suchleiste innerhalb einer Software zur automatisierten E-Mail-Bearbeitung für Handwerksbetriebe. Der Nutzer sollte eine Frage eingeben können, etwa: „Welche Rechnungen sind noch nicht bezahlt?“, woraufhin diese Eingabe als Prompt an eine KI gesendet wird. Mithilfe einer angebundenen Datenbank generiert die KI dann eine strukturierte, verständliche Antwort, inklusive direkter Links zu den relevanten Dokumenten.

Ein weiteres spannendes Teilprojekt war die Entwicklung eines automatischen Website-Crawlers mit Puppeteer. Ziel war es, eine Website zu analysieren und die gefundenen Informationen systematisch zu extrahieren und zu speichern. Zusätzlich habe ich sehr viel Zeit darauf verwendet, die bestehende Codebasis zu überarbeiten, vor mir hatten vor allem Freelancer daran gearbeitet, deren Fokus eher auf „Schnell zum Ziel“ lag als auf sauberen, wartbaren Code. Ich habe daher die gesamte Struktur überarbeitet, Namen vereinheitlicht und Clean Code Prinzipien angewendet. Das bedeutete, dass ich über 200 Dateien anpassen musste, was einerseits mühsam, andererseits sehr befriedigend war, am Ende war der Code lesbar, einheitlich und gut wartbar.

Berlin selbst hat mich in vielerlei Hinsicht überrascht. Die Arbeitsweise in Start-ups ist deutlich lockerer als das, was ich aus der Schweiz gewohnt bin. Es gibt weniger klare Strukturen, vieles wirkt improvisiert , aber gerade das gibt Raum für Kreativität. Gleichzeitig fiel mir auf, wie sehr in Berlin gerade über Künstliche Intelligenz gesprochen wird. Es ist das grosse Thema, und fast jede*r scheint sich damit zu beschäftigen, sei es beruflich oder im Gespräch beim Kaffee. Diese Offenheit gegenüber neuen Technologien und Ideen war für mich sehr inspirierend.

Natürlich gab es auch Herausforderungen: Im Büro waren Hunde erlaubt, was auf den ersten Blick sympathisch wirkte , in der Praxis aber manchmal die Konzentration erschwerte. Ich musste lernen, mich trotz spielender oder bellender Vierbeiner auf komplexe technische Probleme zu fokussieren. Auch der Alltag in Berlin war fordernd: Die Stadt ist laut, voll, hektisch , gerade im Vergleich zur eher ruhigen und geordneten Schweiz. Doch genau das machte auch ihren Reiz aus.

Ich habe den kulturellen Austausch sehr genossen. Die Gespräche mit Entwickler*innen, Designer*innen und Gründer*innen über ihre Ideen, Projekte und Perspektiven haben mir viel mitgegeben. Auch ausserhalb der Arbeit gab es viel zu entdecken: Ob Street Food, spontane Konzerte oder kleine Galerien, Berlin lebt und atmet Kreativität. Besonders hilfreich war es, mit einem klaren Plan in die Stadt zu gehen: Ich hatte mir im Vorfeld überlegt, was ich sehen möchte, um die Zeit wirklich zu nutzen. Gleichzeitig ist es wichtig, sich regelmässig Pausen zu gönnen, Berlin kann schnell überwältigend werden.

Rückblickend bin ich sehr zufrieden mit dem, was ich in dieser Zeit erreicht habe. Ich konnte ein Produkt aktiv weiterentwickeln, das zwar noch keine Kunden hatte, aber grosses Potenzial besitzt. Mein Ziel war es, es technisch auf eine solide Basis zu stellen, und ich glaube, das ist mir gelungen. Wenn ich nochmals an einem solchen Aufenthalt teilnehmen könnte, würde ich es genauso wieder machen. Ich würde mich erneut vorbereiten, mich wieder mit den Technologien beschäftigen, vielleicht diesmal noch etwas tiefer in das Thema AI Agents eintauchen.

Allen, die nach mir in dieses Programm kommen, würde ich raten: Beschäftigt euch im Vorfeld mit den Technologien und Themen. Schaut euch Videos an, lest Artikel , je mehr ihr schon mitbringt, desto mehr könnt ihr vor Ort umsetzen. Und ganz praktisch: Nehmt euch Zeit für Berlin, aber auch Zeit für euch selbst. Man muss nicht alles mitnehmen, aber das Richtige.