Erfahrungsbericht: Aufenthalt in Berlin
Nora Keller, April, 2026
Im April 2026 verbrachte ich einen Monat mit vier anderen Lernenden in Berlin.
Ich bekam die Möglichkeit, die Berufswelt und die Kultur Berlins zu entdecken, was eine coole Erfahrung war. Mein Stage absolvierte ich bei Bahn Express, wo ich zusammen mit Tim, dem zweiten Mediamatiker, verschiedene Aufträge umsetzen konnte. Bahn Express ist ein europäisches Logistikunternehmen, das Fahrzeuge innerhalb kurzer Zeit für Autohäuser und Unternehmen transportiert.
Was ich gelernt habe
Ich konnte während meines Aufenthalts vor allem im Bereich Selbstständigkeit und Arbeitsweise viel dazulernen. Obwohl ich keine völlig neuen Themen von Grund auf gelernt habe, konnte ich viele wertvolle praktische Erfahrungen sammeln.
Am Anfang fiel es mir schwer, mich an die Arbeitsweise zu gewöhnen. Die Aufträge wurden oft schnell und auf Englisch erklärt, ohne viele Details. Zu Beginn habe ich nicht realisiert, dass dies bereits das vollständige Briefing war, sondern dachte, es sei nur eine kurze Einführung. In der Schweiz habe ich mich an eine detaillierte Planung von Projekten oder Aufträgen gewöhnt.
Am meisten habe ich mich genau dort entwickelt. Ich habe gelernt, Unsicherheiten abzulegen, schneller zu beginnen und mich selbstständig in neue Themen einzuarbeiten. In der Zukunft wird mir diese Fähigkeit definitiv nützlich sein.
Technische Tätigkeit
Ich habe an unterschiedlichen kleineren Projekten mitgewirkt. Ziel der ersten Woche war es, Meta-Ads zu erstellen. In der zweiten Woche habe ich diese weiterentwickelt und gezielter auf unterschiedliche Zielgruppen angepasst. In der Schweiz hatte ich bisher noch keine Erfahrung mit Meta-Ads.
Zu Beginn war das herausfordernd, da Bahn Express ein Start-Up ist und das CI/CD noch nicht so gut entwickelt war. Zudem war es nicht leicht, sich in kurzer Zeit im Unternehmen einzuarbeiten und mit wenigen Vorgaben passende Designs zu erstellen. Im Laufe der Zeit wurde es jedoch deutlich einfacher.
In der dritten Woche erstellte ich ein Storyboard und beschäftigte mich intensiv mit der Absprache mit einem UGC-Creator. Dazu gehörten die Kontaktaufnahme per E-Mail, das Erstellen von Verträgen sowie Verhandlungen über mögliche Kooperationen. Weil ich das zuvor noch nie gemacht hatte, musste ich mich zuerst mit dem Thema vertraut machen. Die Anforderungen an den Creator waren zudem relativ hoch und ich habe auch gleich sehr viel Verantwortung bekommen.
Zudem habe ich neue Designideen für die Webseite ausgearbeitet. Das hat mir besonders viel Spass gemacht, da wir kreativ arbeiten konnten, ohne die Ideen umsetzen zu müssen.
In der letzten Woche habe ich unter anderem mit JSON-Daten gearbeitet und sie abgefüllt.
Ich habe ausserdem kurze, unterhaltsame TikTok-Videos mit meinem Handy gedreht, bearbeitet und veröffentlicht. Mir persönlich hat das am meisten Freude bereitet, da die Anforderungen hier geringer waren.
Ich habe verschiedene Tools verwendet, darunter InDesign für die Ads, Photoshop für die Bildbearbeitung und Unsplash als Bildquelle. Das Storyboard habe ich mit Word erstellt und die Webseitenideen habe ich in Figma umgesetzt. Bis auf Figma waren mir alle Tools bereits vertraut.
Die meisten Aufgaben haben Tim und ich zusammen bearbeitet, was sehr angenehm war, da wir uns ständig austauschen konnten. Viele Projekte wurden nur teilweise von uns umgesetzt und das Team hat sie danach weitergeführt. So konnte ich verschiedene Bereiche kennenlernen.
Besonders gefreut hat mich, dass unsere Arbeit vom Team sehr geschätzt wurde und wir regelmässig positives Feedback erhalten haben.
Kulturelle Unterschiede
In Berlin ist mir im Vergleich zur Schweiz besonders die kulturelle Vielfalt aufgefallen. Die Stadt ist sehr international und man trifft ständig auf neue Kulturen, sei es in der Gastronomie, in der Architektur oder im Alltag.
Die Architektur war besonders spannend. Von Quartier zu Quartier unterscheiden sich Aussehen von Strassen und Gebäuden. Auch ein Gebäude kann an verschiedenen Stellen verschiedene Baustile aufweisen.
Obwohl der Alltag manchmal hektisch erscheint, sind die Menschen oft eher entspannt unterwegs. Mir ist aufgefallen, dass wir häufig auswärts gegessen haben, da uns das Kochen nicht immer leichtfiel und die Lebensmittel teilweise anders geschmeckt haben. Manchmal habe ich selbst Gekochtes vermisst, vor allem, weil ich in der Schweiz oft Essen von zuhause mitnehme.
Sehr positiv aufgefallen ist mir der öffentliche Verkehr. Das System hat eine einfache Struktur, ist gut verständlich und äusserst praktisch. Die U-Bahn fährt alle 5 bis 10 Minuten, was es ermöglicht, meist ohne grosse Planung zu fahren. Ich fand es ein bisschen lustig, dass viele Wege 30 bis 40 Minuten in Anspruch nehmen, egal wohin man fährt.
Freizeit in Berlin
Wir hatten viel Freizeit und konnten diese gemeinsam gut nutzen. Dabei haben wir zahlreiche Aktivitäten unternommen und die Zeit sehr genossen. Mehrmals gingen wir zusammen essen, was immer für eine gute Stimmung sorgte. Mein persönliches Highlight war jedoch der Eishockey-Match, den wir gemeinsam schauen konnten. Auch die Abende verbrachten wir oft zusammen, sei es bei einem Film oder bei einem entspannten Spaziergang. Die Wochenenden konnten wir oft selbst organisieren, was uns zusätzliche Freiheit gab. Wir haben einen Escape Room, eine Fahrradtour sowie eine Bootstour gemacht, das KZ Sachsenhausen besichtigt, einen gemütlichen Abend in einer Bar verbracht oder einfach einen Shoppingtag in der Stadt gemacht. Die Sonntage nutzten wir meistens, um gemeinsam die Wohnung zu putzen und uns etwas zu erholen.
Tipps für zukünftige Teilnehmende
Für zukünftige Teilnehmende habe ich einige Tipps:
Es lohnt sich, immer etwas Bargeld dabei zu haben, da in Berlin häufig noch bar bezahlt wird und nicht überall Kartenzahlung möglich ist. Zudem empfehle ich, nicht zu viele Produkte von zu Hause mitzunehmen, vor allem Pflegeprodukte. Vor Ort sind sie oft günstiger und sparen Platz im Gepäck. Stattdessen würde ich lieber mehr windfeste Kleidung einpacken. Da Berlin eine eher windige Stadt ist, sollte man passende Kleidung mitnehmen, selbst wenn das Wetter sonnig wirkt. Ein weiterer Tipp ist, so viel wie möglich zu laufen. Auf diese Weise lernt man die Stadt viel besser kennen und findet Plätze, die einem sonst entgehen würden. Da viele bekannte Cafés oder Spots aus den Sozialen Medien oft überfüllt sind, ist es ratsam flexibel zu bleiben und damit zu rechnen, dass es dort leider keinen Platz mehr gibt. Eine weitere kleine Herausforderung war das Einkaufen und deshalb ist mein Tipp, dass man lieber öfters kleine Einkäufe macht, anstatt einen grossen Wocheneinkauf zu planen. So wird verhindert, dass man zu viel oder zu wenig einkauft.
Mein Aufenthalt in Berlin war eine sehr bereichernde Erfahrung. Besonders die Kombination aus Arbeit, Zusammenleben und Freizeit hat diese Zeit einzigartig gemacht. Ich bin sehr dankbar für diese Gelegenheit und nehme viele neue Eindrücke und Erfahrungen mit. Es war eine intensive und spannende Zeit, an die ich mich gerne zurückerinnern werde.